Klassik-Highlights April 2022

01. Mai 2022

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

©Nicole Hacke / Operaversum

Der April macht, was er will! Auch auf den großen Opernbühnen schwappten die Emotionen, die Dramen und die musikalischen Höhepunkte wie stürmische Wetterfronten mal sonnig heiter, mal unkontrolliert aufbrausend auf das erwartungsvolle Publikum über.

 

Mir erging es dabei mäßig, denn eine Corona-Front hielt mich eine knappe Woche lang fiebernd und höchst unwohl in dornröschenschweren Träumen komatös gefangen. Gefesselt an mein Bett konnte ich mich nunmehr auf meine Medici Mediathek, die Wiener Staatsoper App und auf zwei CD-Neuzugänge stürzen und hatte, man glaube es oder nicht, trotz all dem kränkelnden Brass eine gute Zeit.

 

Zu meinem großen Erstaunen war das mediale Angebot just im April nicht nur groß, sondern auch besonders exquisit. So erlebte ich die klaviertuose Hélène Grimaud mit den Salzburger Camerata in der Elbphilharmonie romantische Schumann-Werke auf die Bühne zaubern, erfreute mich an einer großartigen Vorstellung der Lucia di Lammermoor an der Wiener Staatsoper und genoss dabei die beiden aufstrebenden Sängerdarsteller Lisette Oropesa und Benjamin Bernheim, die ich nun tatsächlich auch einmal Live erleben möchte.

 

Auch Otto Schenks altbewährte Inszenierung des Rosenkavaliers an der Wiener Staatsoper hat meine kranken Geister zu erfrischend neuem Leben erweckt. Ich wurde nicht müde, mich an der rokokolastigen Interpretation, die 2019 ihre 1000 Vorstellung feiern durfte, zu erfreuen - und zwar vom ganzen Herzen und mit all meinen Sinnen.

 

Das Ende einer romantischen Liebesliederreise mit Jonas Kaufmann und Diana Damrau erlebte ich zu meinem großen Glück noch Live im Wiener Konzerthaus und genoss die segensreiche künstlerische Ménage à trois in vollen Zügen.

 

Und auch mein Hörgenuss bekam ganz gewaltig gehaltvolle Stimmeruptionen auf die Ohren. Rachel Willis-Sörensen, der aufsteigende Stern am Sopranistenhimmel kam, sang und siegte auf ihrem Debüt-Album mit herrlichen Arienbonbons des italienischen und französischen Fachs. Koloratursicher und höhenversiert brannte sich die amerikanische Vollblutsängerin während meiner häuslichen Quarantäne mit bleibend positiven Eindruck in mein musikalisches Hörgedächtnis.

 

Regelrecht verzaubert hat sie mich mit ihrem unbeschreiblich strahlenden Timbre, wo hingegen Jonas Kaufmann mit seinem content recycelten Arien-Allrounder für Opernnovizen keinen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterließ. Von einem Album, dass sich "The Tenor" schimpfen darf, hätte ich nämlich deutlich mehr Herzblut, Engagement und vor allem eine Neueinspielung erwartet.

 

Content Recycling mag auf Blogs aller Art sehr gut funktionieren. Aber ein weltbester Tenor gibt sich für so etwas doch eigentlich nicht her. Wie gesagt, für Opernnovizen ist die Kompilation von hauptsächlich italienischen Arien-Klassikern und Schmonzetten dennoch absolut vertretbar.

 

Zu guter Letzt wurde ich genau vor zwei Tagen noch mit einer besonders überraschenden Live-Übertragung aus dem Opernhaus in Monte Carlo besänftigt, denn keine andere als die vor Wochen noch verschmähte Anna Netrebko kehrte auf die Bretter der Welt zurück und blühte in der Rolle der Manon Lescaut zu unanfechtbarer gesanglicher Größe auf.

 

Ach, und dass ich es bloß nicht vergesse: Zukünftig werde ich unter der Rubrik Genusskultur Hotel - und Restauranttipps mit meinen Lesern teilen.

 

Warum? Ich bin der Meinung, dass sich der Kreis zu einem wirklich gelungenen Opernabend in einer fremden Stadt erst dann schließt, wenn die kulinarischen Genüsse nicht zu kurz kommen und man sich wie die Prinzessin auf der Erbse in einer besonders individuellen Unterkunft (fast so wie zu Hause) himmlisch betten kann.

 

Und nun viel Spaß beim Rückblick auf den musikalisch abwechslungsreichen Monat April.



©Alain Hanel / Oper Monte Carlo

Anna Netrebko als heißblütige Manon Lescaut in Monte Carlo

Die Operndiva ist zurück! Mit vier Aufführungen an der Oper in Monte Carlo debütiert Anna Netrebko erstmalig am monegassischen Haus als heißblütige Manon Lescaut. Nachdem sich viele Opernhäuser und Konzertveranstalter in den letzten Wochen von Netrebko...

 



©Nicole Hacke / Operaversum

Das Hotel Cocoon: Alpenidyll in der Münchner Metropole

Als ich das Hotel Cocoon in München betrete, habe ich das Gefühl, wie die Heidi aus Johanna Spyri ´s Roman, in eine idyllische Welt aus grünen Wiesen, Kuhglockengeläut und Berglandschaften zu treten. Es ist eine heile, einladende Welt, in der ich innehalten kann und sofort zur Ruhe komme.

 



©Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Eine starbesetzte Lucia mit Oropesa und Bernheim an der Wiener Staatsoper

Qualität zahlt sich aus! So auch in dieser starbesetzten Inszenierung der Lucia di Lammermoor an der Wiener Staatsoper. An diesem Abend glänzt an der Seite von Tenorhoffnung Bejamin Bernheim die US-amerikanische Sopranistin Lisette Oropesa, die als Lucia...

 



©Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Zeitlos schön: Otto Schenks Rosenkavalier an der Wiener Staatsoper

Von Otto Schenk kann man mittlerweile sagen, dass er als Regisseur der Wiener Staatsoper eine institutionelle Koryphäe darstellt, denn seine rokokolastigen, rüschigen, stark angestaubten und irgendwie längst aus der Mode gekommenen Inszenierungen scheinen sich auch noch...

 



©Julian Hargreaves / Sony Classical

Arien für alle: Jonas Kaufmanns neue Allrounder-Cd "The Tenor"

"The Tenor", so soll das neue Album des Münchner Tenors Jonas Kaufmann heißen, das am 29. April in den digitalen und analogen Plattenläden erscheint. Um etwaigen Missverständnissen gleich im Vorwege entgegenzuwirken, es handelt sich bei dieser Neuauskoppelung...

 



Letzte station Wien: Liebesliederreise von Jonas kaufmann und Diana Damrau endet

Wenn es am schönsten ist, muss man aufhören oder aber eine besondere Konzerttournee geht zu Ende. Auf einer ausgewählten Liebesliederreise durch sage und schreibe zwölf europäische Hauptstädte haben sich der Münchner Tenor Jonas Kaufmann und die Sopranistin Diana Damrau...

 



©Sandra Ludewig / Sony Classical

RAchel Willis-Sørensens erstes Solo-Album mit zuckersüßen Arienbonbons

Hat man sie einmal auf der Bühne live vor Publikum in voller Aktion erlebt, weiß man, warum die Sopranistin Rachel Willis-Sørensen eine so überwältigend magische Anziehungskraft auf ihre Zuhörer ausübt. Versiert in allen Opernpartien des lyrischen Fachs, koloratursicher bis in die höchsten Höhen...

 



©Screenshot Hélène Grimaud Elbphilharmonie

Hélène Grimaud hypnotisiert klangmalerisch mit Schumann und mozart

Ein Programm wie aus dem musikalischen Bilderbuch, eine Pianistin, so virtuos und gefühlvoll zugleich und ein international renommiertes Kammerorchester, das sich den Mozartklang zu Recht auf die tonale Fahne schreiben darf: Hélène Grimaud und die Salzburger Camerata hypnotisieren...

 



©Operaversum / Nicole Hacke

Das Hotel Luis Regensburg: Vintage trifft auf moderne

Als ich mit meinem Koffer vor dem Eingang des ehemaligen Landshuter Gasthofes stehe, kommt in mir sofort ein Gefühl von Nostalgie auf, denn von außen wirkt das altehrwürdige Gebäude auf mich ganz und gar nicht wie ein Hotel. Augenblicklich sichte ich linker Hand eine Milchkanne.

 



©Hadi Karimi / 3D-Sculpturing mit Maya - Portrait Clara Schumann 1856

Aus dem fiktiven Tagebuch der Clara Schumann

Ich weiß noch genau, wie erfreut ich damals kurz vor der Euro-Wende war, als Clara Schumanns feingeistiger Charakterkopf schlußendlich auf der 100 D-Mark Note abgedruckt wurde. Endlich zierte eine berühmte Frau und Komponistin den ach so blauen, wertigen Geldschein...

 



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