Klassik-Highlights Juni 2022

04. Juli 2022

Rubrik Oper

©Nicole Hacke/ Operaversum

Alles sommerlich macht der Juni. So auch in diesem Jahr und diesmal sogar in der gewöhnlich schwer unterkühlten Hansestadt Hamburg.

 

Und so kletterte dort mit jedem weiteren Sonnenstrahl nicht nur der Wetterfrosch eine weitere Sprosse fröhlich hüpfend die Himmelsleiter empor. Nein, auch auf den Opern- und Konzertbühnen der schönsten Stadt Deutschlands tat sich so einiges, insbesondere im komischen, heiteren und beschwingten Fach.

 

Eine besondere Premiere feierte der reiche "Don Pasquale" an der Hamburgischen Staatsoper in einer lustig frivolen Inszenierung von David Bösch. Auf ganzer Linie schoss der gewichtige Maestro Ambrogio Maestri den Vogel ab und das ganz sicher nicht nur vokal, sondern auch schauspielerisch. Unvergessen bleibt die Tresorszene, in der sich Don Pasquale wie Dagobert Duck auf seinem Geldberg sitzend unbekümmert suhlt.

 

An Dresdens Semper Oper ging der Spaß dann ganz flott weiter. Was für eine fulminante Verwechslungskomödie, die sich mir dort mit Albert Lortzings Wildschütz bot. Zum Amüsieren herrlich und die Darsteller, allen voran Nikola Hillebrand und Georg Zeppenfeld: Ein wahrer Augenschmaus, was man übrigens auch von einem ganz anderen Gesangsakrobaten sagen konnte:

 

Piotr Beczala, der absolute Tenorissimo der leichten Muse, beeindruckte in der Elbphilharmonie mit einem Dreivierteltaktvergnügen im Walzerschritt. Süffige Melodien aus Operette und bekannten Opern sowie italienische Schmonzetten machten fast drei Stunden einen so gelungenen Abend rund, dass man gefühlsduselig mit der rosaroten Brille im Gesicht nach Hause taumelte.

 

Lies mich der Abend überhaupt los? Ganz im Vertrauen: In Gedanken tanze ich das großartige musikalische Spektakel immer noch mit.

 

Im krassen Gegensatz dazu erlebte ich ein absolutes Kontrastprogramm der Superlative: Monteverdis Barockoper L´Orfeo.

 

Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass Barock so fetzig rocken kann, wie es die erste Oper der Musikgeschichte getan hat. In einer absoluten Premiere an der Wiener Staatsoper strahlten Operngroßen wie Georg Nigl, Christina Bock und Kate Lindsay als Hauptprotagonisten miteinander nur so um die Wette, was man von Nadine Sierra und Amartuvshin Enkhbat in Verdis Rigoletto an der Mailänder Scala ebenfalls behaupten konnte.

 

Gänsehautmomente, totale Ergriffenheit und ein Höchstmaß an gesanglicher Brillanz stachelten das Publikum im Saal zu außerordentlichen Gefühlsregungen an. Die emotionsgeladenen Buhrufe galten lediglich der polarisierenden Inszenierung von Mario Martone, der es sich mal wieder nicht nehmen ließ, Rigoletto als gesellschaftskritisches Werk schonungslos auf den wunden Punkt zu bringen.

 

Und ansonsten habe ich mich mit der Thematik der CO₂-neutralen Konzertbesuche auseinandergesetzt. Warum eigentlich überhaupt, wenn Kleinvieh doch gar nicht so viel Mist macht? Macht es doch. Jeder zählt und oftmals sogar doppelt, dreifach, vierfach und wer weiß wie viele Male überhaupt noch? Denn wer es nicht schafft, einer kompletten Konzertreihe eines einzelnen Künstlers zu widerstehen, der beteiligt sich, wenn er denn fliegend um die Welt jettet, an unausweichlichen Co2-Emissionen. Doch verzichten muss gar nicht sein. Das Credo lautet: bewusster genießen, achtsamer "konzertieren" (beispielsweise Hotels mit besseren Umweltstandards aufsuchen) und das Weniger als bewusst Mehr zu erfahren.

 

Denn wie sagte schon einst Hermann Hesse: "Mit der Gewohnheit des Maßhaltens ist die Genussfähigkeit für die "kleinen Freuden" innig verknüpft."

 

In diesem Sinne: Genießen Sie nun meine kleine, aber feine Auswahl an Opern- und Konzert-Highlights!

 

Viel Spaß dabei!



©Opernhaus Zürich

Walzerseligkeit mit Piotr Beczala in der Elbphilharmonie

Wer im Großen Saal der Elbphilharmonie seine Stimme hergibt, der muss entweder verrückt und äußerst wagemutig sein oder aber Piotr Beczala heißen.  Was sich der polnische Tenor...

 



©Brescia and Amisano / Teatro alla Scala

Verdis Rigoletto mit Nadine Sierra und Amartuvshin Enkhbat an der Scala

Im Rausch einer ausufernd orgiastischen Partynacht im gräflichen Haus Montova, auf der Straße die ausgeschlossene Dienerschaft der lustvoll exzessiv feiernden Gäste...

 



©Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Die Barockoper L´Orfeo rockt das Publikum in der Wiener Staatsoper

Kann man sagen, dass diese über 400 Jahre alte Oper - die erste legitime musiktheatralische Version ihrer Gattung - überhaupt noch den aktuellen Zeitgeist trifft? Und wieso sollte sie auch nur im entferntesten Sinne epochale Welten überwinden?

 



©Nicole Hacke / Operaversum

Dresden kulinarisch: REstaurant Anna - der Geheimtipp in der Gastro-szene

Von den alten Meistern zu lernen, kann doch nicht allzu schwer sein, dachte sich der Junggastronom Tim Graul, machte es seinem Vater gleich und eröffnete Anfang April dieses Jahres sein Restaurant Anna im alten Residenzschloss.

 



©Nicole Hacke / Operaversum

Das Boutique Hotel Rothenburger in Dresdens Quirligem Szeneviertel

Schweißtreibende 29 Grad lassen mich meine Füße müde werden. Nur noch ein paar Meter und dann ist es endlich geschafft. Inmitten des quirligen Künstler- und Kneipenviertels der Dresdner Neustadt liegt das familiengeführte Boutique Hotel Rothenburger.

 



©Matthias Creutziger / Semper Oper

Erheiternd Theatralische Verwechslungskomödie: Der Wildschütz an der Semper Oper

Eine Verwechslungskomödie par excellence: Wer "Der Wildschütz" von Albert Lortzing je gesehen hat, weiß, welch verwirrende Verstrickungen sich auf der Opernbühne abspielen können. Die aus dem Jahr 2015 an der Semper Oper etablierte Inszenierung von Jens-Daniel Herzog...

 



©Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

I Puritani mit einer elektrisierenden Pretty Yende an der Wiener Staatsoper

In Bellinis letzter epischer Oper "I puritani" glänzt die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende erstmals in ihrem Rollendebüt als Elvira an der Wiener Staatsoper. Bühnentechnisch schlicht...

 



©Brinkhoff/Mögenburg

unverwechselbar David Bösch: Don Pasquale neuinszeniert an der Hamburger Staatsoper

In einer Welt, in der Geld so gut wie alles kaufen kann und dabei sogar noch die Moral besticht, lebt es sich als wohlhabender Don Pasquale angenehm und unbehelligt in den Tag hinein.

 



©Internationales Musikfestival Hamburg / Motto Natur

Konzertbesuche CO₂-neutral: Kulturgenuss und Umweltbewusstsein auf einen Nenner bringen

Plötzlich war der Himmel über Hamburg wieder blau, die Luft glasklar und der Lärmpegel der vorübersausenden Flugzeuge einer beängstigend gespenstischen Stille gewichen.

 



©Edouard Brane

Belcanto superlativ: Benjamin Bernheims neue CD "Boulevard des Italiens"

Als ich ihn zum ersten Mal hörte, war es wie Magie! So einen Tenor mit einem hellen, kristallenklaren Timbre hatte ich seit ich mich in den letzten Jahren gesanglich nur noch mit Jonas Kaufmann befasste, nicht mehr gehört.

 



Kommentare: 0