Weihnachten im Schnelldurchlauf mit Jonas Kaufmann als TV Showmaster

25. Dezember 2021

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

©ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind in die aufgewärmten Stuben der deutschen Fernsehnation, sondern scheinbar auch der Münchner Tenor Jonas Kaufmann, der sich bereits im Jahr zuvor mit seiner abendfüllenden Weihnachtssendung ein goldenes „Plätzchen“ im Programmteil des ZDF ergattert hatte. Und das zu Recht sehr wohl verdient.


Denn mit seiner damaligen weihnachtlich froh stimmenden Sendung, die im winterlichen Oberndorf bei Salzburg ausgestrahlt wurde, begeisterte der Tausendsassa mit seinen gefühlt unerschöpflichen Talenten auch als sehr eloquenter Moderator, der den Drahtseilakt zwischen informativ unterhaltsamen Entertainment und musikalisch anspruchsvoller Untermalung aufs feinste beherrschte.


Fern vom Einheitsbrei der meist schlagerlastigen Unterhaltungsshows, hielt plötzlich wieder ein niveau- und stilvolles Weihnachtsprogramm in die gleichförmig normierte Fernsehlandschaft Einzug, das zu meiner übergroßen Freude vollends zu den tradierten Wurzeln ursprünglich himmelhochjauchzender Festlichkeit zurückkehrte- endlich!

 

©ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann

©ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann

Ganz erwartungsvoll erhoffe ich mir so auch an diesem Abend des 24. Dezembers 2021 eine Weihnachtssendung, die nicht auf Show und Kommerz, sondern auf Tradition und kultureller Bodenständigkeit fußt.

 

Dass Kaufmann das kann, hat er schließlich schon ein Mal deutlich unter Beweis gestellt.


Doch aus der weihnachtlich stimmungsvollen Sause mit Freunden wird wohl nichts. Ganze 56 Minuten, noch nicht einmal eine geschlagene Stunde hetzt der Tenorissimo unterschwellig getrieben durch seine Weihnachtsshow und scheint so dermaßen auf sich selbst fokussiert zu sein, dass seine musikalischen Gäste im Hintergrund der One-Man-Show irgendwie kümmerlich verblassen, zu Wort kommen sie jedenfalls kaum.


Stattdessen singen sie alle brav wie abgezählt schnell zwei Lieder und beantworten ebenso artig die obligatorische, rein rhetorisch gestellte Frage des Gastgebers, wie sie denn wohl das Weihnachtsfest zu Hause feierten.

 

©ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann

Aufgesetzt und sogar ein wenig gleichgültig kommen die Antworten wie einstudiert, bedauerlicherweise doch recht ein- bis maximal zweisilbig daher, denn jedwede Redseligkeit über den banalen Weihnachtsplausch hinaus weiß Herr Kaufmann gekonnt zu unterbinden.


Denn wer noch ein bisschen was singen will, muss sich sputen. Tick, Tack, Tick, Tack, läuft doch die Zeit immer rasanter davon.


Das merkt man insbesondere an den strikt durchgetakteten Gesangseinlagen, die pro Lied nicht mehr als drei Strophen überleben. Der Rest wird einfach abgeschnitten, weggelassen - wie auch immer.

 

Schließlich und endlich reicht doch der musikalische Gruß aus Kaufmanns Weihnachtsmanufaktur für den ersten Eindruck - als Teaser sozusagen - völlig aus.


Besinnlich, entspannt oder gar entschleunigt geht aber anders, vor allem an einem Tag wie Heiligabend, an dem einen nichts davon läuft - noch nicht einmal die saftig brutzelnde Weihnachtsgans im Ofen.

 

©ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann

Ob Herr Kaufmann wohl Hunger hat?


Maike Menzel, die Sterneköchin, die an diesem gesegneten Abend für das leibliche Wohl des Tenors und seiner Gäste sorgt, werkelt kochkünstlerisch am Kochtopf so unauffällig wie eine genussbringende Zauberfee vor sich hin.


Während der erste Gang die Runde macht und passgenau zwischen die musikalischen Darbietungen gemogelt wird, erahnt man schon, dass mit gerade mal drei kulinarischen Gängen relativ schnell Schluss mit lustiger Weihnachtsbespaßung sein wird.


Kaum dass ich mitbekomme, was wem gerade serviert wird, folge ich auch schon einer filmischen Rückblende, in der ein fleißig zwiebelschneidender Jonas Kaufmann am heimischen Herd der privaten Sterneköchin zugange ist.

 

Was macht er jetzt dort und was soll uns dieser retrospektive Mitschnitt eigentlich sagen?


Wahrscheinlich so viel wie das Gericht, das dort unbekannterweise in einem großen Kochtopf schmorend vor sich hin gart. Im Fernsehstudio ist jedenfalls schon alles fix und fertig, zumindest so gut wie, denn die Zeit, sie rennt und rennt und rennt.

 

©ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann

Und auch mein grundsätzlich zeitlich unbegrenzter Geduldsfaden spannt mittlerweile sehr arg, obgleich die von Herrn Kaufmann stimmlich höhepunktreif kredenzten Weihnachtslieder eine absolute Offenbarung darstellen.

 

Das meint auch meine bessere Hälfte, die mit folgender Aussage wieder mal den Nagel auf den Kopf trifft: "Er ist mal wieder in absoluter Hochform."

 

Klar, es singt schließlich auch der Kaufmann. Und wo Kaufmann draufsteht, muss auch Kaufmann drin sein. Was anderes gibt es einfach nicht.

 

Halbwegs versöhnlich gestimmt, lausche ich weiter den Klängen, die mir bekannt sind und meinen Ohren vollends schmeicheln.

 

Musikkulinarisch tischt Jonas Kaufmann klassisch-traditionelle Weihnachtslieder auf, singt zusammen mit der Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann den ein oder anderen amerikanischen All-Time-Klassiker und vernachlässigt dabei auch nicht seine alpenländische Stubenmusi.

 

Schön und gut. So weit komme ich musikalisch ausgezeichnet mit. Doch wo kommt denn auf einmal so plötzlich die Schlagermusik so verquert um die Ecke geschossen?

 

©Screenshot ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann im ZDF

Vanessa Mai, die so ganz echt, echt cool und lässig daherkommt, fällt irgendwie völlig aus dem Rahmen der sich klassisch abgrenzenden Weihnachtssendung, ebenso wie Gregory Porter, der sich zwar mit Nat King Coles Weihnachtshit "Chestnuts roasting on an open fire" in die Riga des amerikanischen Swing-Jazz dezent einreiht, stimmlich aber weit vom tenoralen Schuss eher daneben landet.

 

Ein musikalischer Stilmix ohne Konzept, Stubenmusi und Schlagerparade, Awful statt Soulful. Alles zusammen in einem Mit- und Nebeneinander, dass einem wie bei zu vielen unterschiedlichen Weihnachtsleckereien, irgendwann extrem schlecht wird.

 

Da kann auch der traumhafte Schöngesang einer Regula Mühlemann nicht allzu viele Kohlen aus dem Feuer holen, denn letztendlich hält sie nur ein paar Aktien an der musikalischen Ausgestaltung des Abends.

 

Ach, und dann noch dieses künstlich aufgehübschte und wenig geschmackvoll ausgeschmückte TV-Studio. Ermüdet schwelge ich in vergangenen Erinnerungen an eine zauberhafte Weihnachtssendung im winterweißen Oberndorf, die dazumal eine stille und selige Weihnachtsstimmung aufkommen ließ.

 

Neben mir schnarcht tief im Schlaf versunken aus gutem Grund schon seit etwas Längerem meine bessere Hälfte sonor, eintönig und so neutral einlullend vor sich hin, dass man an seinem unmusikalischen Getöne nichts mehr auszusetzen weiß.

 

Das Kind ist in diesem Fall tatsächlich in den Brunnen gefallen, denke ich. Das andere hätte man vielleicht vorab noch retten können. Aber was soll´s. Nächstes Jahr ist schließlich wieder Weihnachten und dann vielleicht auf einen neuen Versuch mit Tenor Kaufmann.


©ZDF Weihnachtssendung mit Jonas Kaufmann

Die diesjährige Weihnachtsshow mit Jonas Kaufmann und Freunden ist noch bis einschließlich 22. März 2022 in der ZDF-Mediathek abrufbar.



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