Im Gespräch mit Nikola Hillebrand: Die Magie der Oper ist unbeschreiblich

24. Februar 2022

©Franziska Schrödinger

Wenige Tage vor unserem virtuellen Treffen war sie noch als Pamina in Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte an der Semperoper in Dresden zu bewundern. Nun sitzt mir die Sopranistin Nikola Hillebrand von ihrem Monitorbildschirm aus gegenüber.

 

Wir sprechen zuerst über ihre erfolgreiche Aufführung, ihre Begeisterung für das Wandern in der Natur und die Liebe zu ihrer Heimatstadt München, bevor wir uns ganz den musikalischen Themen und Fragen unseres gemeinsamen Gesprächs zuwenden.

 

Schnell wird offensichtlich, mit welch großer Leidenschaft und Freude sich Nikola Hillebrand ihrer Berufung als Opernsängerin hingibt.

 

Operaversum: Du hast als Kind Ballettunterricht erhalten und dann später auf Gesang umgesattelt. Wie kommt man vom Ballett zum Operngesang und dann noch zur entsprechenden Berufswahl?

 

Nikola Hillebrand: Es hat sich bereits in meiner Kindheit deutlich abgezeichnet, dass ich mich durch etwas Künstlerisches ausdrücken wollte, wobei ich anfänglich sehr viel gemalt habe. Damit fing es an. Dann kamen Tanz und Musik hinzu und so wurde das Ballett zu meiner ersten großen Liebe, die mich als Hobby von meinem fünften bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr begleitet hat.

 

Durch das Ballett entstand auch die erste musikalische Verbindung zum klassischen Genre. Und durch Live-Auftritte konnte ich ebenfalls erste Bühnenerfahrungen sammeln.

 

Die Lust daran, Menschen zu unterhalten und auf der Bühne zu stehen, musste aus mir schon immer heraus. Und so kam es, dass ich auf dem Gymnasium nicht nur angefangen habe, in der schuleigenen Big Band Querflöte zu spielen, sondern auch im Chor und Kammerorchester mitzuwirken. Es gab Aufführungen, Schulkonzerte und mit fünfzehn begann ich dann endlich professionellen Gesangsunterricht zu nehmen.

 

Als ich merkte, dass meine stimmlichen Anlagen für das Genre passten und ich tatsächlich Feuer für das Opernfach fing, ging alles plötzlich ziemlich schnell. Ich wusste, das will ich unbedingt beruflich machen.

 

In den letzten beiden Schuljahren meiner Gymnasialzeit war ich dann bereits an der Musikhochschule und lernte dort auch meine Gesangslehrerin kennen, die mich bis heute immer noch begleitet. Mein Weg war von Anfang an sehr geradlinig und ich hatte seitdem immer sehr viel Glück, im entscheidenden Moment auf die richtigen Leute zu treffen.

 

Operaversum: Du siehst Dich selbst als Koloratursopranistin. Was muss diese stimmtechnisch mitbringen? Was macht den besonderen Reiz von Koloraturen aus und gibt es eine grundsätzliche Abgrenzung zum lyrischen Sopran?

 

Nikola Hillebrand: Fachlich gesehen ist es so, dass man als Koloratursopran drei bis vier Töne über dem lyrischen Sopran liegen muss und eine stimmliche Flexibilität zwingend erforderlich ist, damit man die schnellen Läufe mühelos schaffen kann.

 

Vor ein paar Jahren habe ich mich in einem Interview tatsächlich als Koloratursopranistin bezeichnet, sehe mich aber mittlerweile als Sopran, da ich nicht ausschließlich reine Koloraturpartien wie beispielsweise die Adele aus "Die Fledermaus" singe, sondern sehr viele lyrische Rollen (Pamina / die Zauberflöte - Sophie / der Rosenkavalier – Gretel / Hänsel und Gretel) gesanglich bekleide.

 

Außerdem möchte ich mich stimmlich nicht eingrenzen, da ich an beiden Fächern und mehreren Epochen Spaß habe.

 

Operaversum: Das heißt, Du siehst Dich eher als Generalistin, die auch gerne in das italienische oder französische Fach abschweift, alles einfach mal ausprobieren will und sich nicht auf eine Sache festlegen möchte?

 

Ganz genau! Auch wenn man als Sängerin lyrisch oder sogar dramatisch veranlagt ist, sollte man sich die stimmliche Flexibilität und Leichtigkeit bewahren, allein schon wegen der Stimmgesundheit. Deshalb sollte man breiter aufgestellt sein und sich nicht nur auf eine Sache festlegen. Viele Fächer, Stile und Musikepochen gesanglich auszuschöpfen, ist für mich eine absolute Bereicherung.

 

Das eine vom anderen zu trennen ist daher schwierig. Im Fachjargon könnte man deshalb auch sagen, dass ich ein lyrischer Koloratursopran bin.

 

©Christian Kleiner

Operaversum: Wenn Du auf der Bühne stehst und singst, spürst Du in dem Moment eine Verbindung zum Publikum oder bist Du ganz in Deiner Konzentration und Deiner Rolle gefangen?

 

Nikola Hillebrand: Auf jeden Fall ist man am Anfang seiner Karriere sehr damit beschäftigt, ganz bei sich zu sein. Man muss so viele Dinge gleichzeitig jonglieren und beachten, wie beispielsweise das Orchester, den Einsatz, das Tempo, die Handlung und die Regie. Darüber hinaus muss ich mich auf meine Stimmtechnik konzentrieren, den Text beherrschen und das möglicherweise auch noch in einer anderen Sprache. Das macht es einem als junge Sängerin nicht unbedingt leicht.

 

Doch je älter man wird, umso besser kann man damit umgehen und sich darum kümmern, für wen man singt.

 

Und das ist das Publikum, dem ich mit meinem Gesang ein Geschenk machen will.

 

Operaversum: Spürst Du beim Singen etwas zwischen Dir und Deinem Publikum? Spürst Du eine Resonanz, die Dich in Deinem Tun auf der Bühne beflügelt?

 

Nikola Hillebrand: Es liegt tatsächlich eine Spannung in der Luft, die ich tatsächlich wie eine Vibration im Raum fast schon körperlich spüren kann - und zwar genau dann, wenn ich merke, dass das Publikum mitgeht. Das können beispielsweise spannende, lustige oder sehr emotionale Momente sein.

 

Das Gefühl, wenn Du die Menschen im Auditorium zum Lachen bringst, ist unglaublich und auch für mich ein Geschenk.

 

Tatsächlich denke ich mittlerweile viel mehr darüber nach, welche Gefühle ich meinem Publikum über den Gesang vermitteln will und dass es in genau diesen Momenten dabei nicht mehr um mich geht.

 

Operaversum: Was macht für Dich die Magie der klassischen Musik und der Oper im Speziellen aus?

 

Nikola Hillebrand: Wenn ich das erklären könnte, wäre es ganz einfach. Aber es ist nicht zu erklären. Entweder packt Dich die klassische Musik und dann hat sie Dich für immer verzaubert oder eben nicht. Das allerdings in Worte zu fassen, maße ich mir nicht an.

 

Operaversum: Vielleicht geht es bei der klassischen Musik und in der Oper einfach um die Echtheit der Gefühle, die in der Musik und speziell im Gesang mitschwingen muss, damit sie Dich fesseln kann?

 

Nikola Hillebrand: Das ist doch auch in jedem anderen Musikgenre, wie beispielsweise in der Popularmusik so. Wenn jemand aus vollem Herzen singt, die Interpretation der Musik gut gemacht ist und Emotionen transportiert werden, kann mich das genauso tief berühren wie in der E-Musik. Es kommt in jedem Genre immer auch auf die Qualität der Musik an und was mit ihr ausgedrückt werden soll.

 

Musik ist etwas so Individuelles, dass man sie einfach nicht greifen kann. Als ich vor Jahren das erste Mal die Oper Elektra von Richard Strauss gesehen und gehört habe, hat mich das so tief in der Seele berührt, dass ich im besten Wortsinn mit der Welt fertig war. Mehr muss man dazu auch nicht sagen, oder?

 

Operaversum: Stimmt! Mir geht es ähnlich, nur mit den Liedern von Richard Strauss. Und das bedarf auch keiner Erklärung.

 

© Nikola Hillebrand als Adele in "Die Fledermaus" 2018

Operaversum: 2018 hast Du an der Semperoper in der Rolle der Adele in Johann Strauß Operette "Die Fledermaus" an der Seite von Jonas Kaufmann und Rachel Willis-Sørensen brilliert. Erst kürzlich warst Du in Luxemburg bei einer Konzertgala mit Arien von Stolz, Strauß und Léhar zu erleben.

 

Wie herausfordernd ist Deiner Meinung nach das Operettenfach im direkten Vergleich zur Oper? Was singst Du lieber und warum?

 

Nikola Hillebrand: Ich selbst mache zwischen Oper und Operette keinen Unterschied, egal ob ich die Fledermaus oder den Rosenkavalier singe. Beide erfordern fast den gleichen Stimmumfang, beide sind in der Regel ähnlich lang und haben viel Text.

 

In der Operette hat man sogar zusätzlich noch vermehrt Dialoge. Meiner Meinung nach wird die Operette deutlich unterschätzt. Obgleich der Unterhaltungsfaktor einer Operette mehr im Vordergrund steht und daher auch als U-Musik konzipiert worden ist, heißt das noch lange nicht, dass die Musiker in ihren jeweiligen Rollen weniger gefordert sind. Eine Operette musikalisch auf die Beine zu stellen ist im Vergleich zur Oper genauso schwer, wenn nicht sogar teilweise schwerer.

 

Nehmen wir zum Beispiel die Rollen der Adele und Rosalinde (Operette "Die Fledermaus / Johann Strauß). Beide gehören zu den schwersten Partien im Sopranfach. Legatolinien- und bögen, Koloraturversiertheit, gutes Timing und Textverständlichkeit sind dabei nur ein paar vokale Attribute, die es zu meistern gilt.

 

Wenn man den Text in einer Operette nicht versteht, kann man einpacken und nach Hause gehen, denn genau das muss die Stimme, wenn die "leichte Muse" zünden soll, ebenfalls hergeben. Dafür muss man beim Schöngesang dann auch mal ein bisschen was riskieren.

 

Nikola Hillebrand: Was ich lieber singe?

 

Das Feld der Oper ist natürlich viel weiter als das der Operette. Wenn ich mich also zwischen Oper und Operette entscheiden müsste, würde ich natürlich die Oper wählen, zumal es auch in diesem tendenziell ernsteren Genre die sogenannten komödiantischen Opern (Opera buffa) gibt.

 

Operaversum: Welche anderen Rollen im Opernfach reizen Dich?

 

Nikola Hillebrand: Das ist momentan ganz schwierig vorauszusagen und hängt ganz klar davon ab, wohin meine Stimme sich entwickeln wird.

 

Auf meiner Traumrollenliste stehen auf jeden Fall La Traviata, die Feldmarschallin und viele Mozartrollen wie Fiordiligi, Donna Anna und Ilia in Idomeneo.

 

Letztendlich freue ich mich aber auf alles, was sich mir an Repertoire bietet. Ich lasse mich überraschen, genieße den Weg, auf dem ich jedes Jahr ein Stückchen weiter vorankomme und mache immer die jeweilige Partie, an der ich gerade arbeite, zu meiner Lieblingsrolle.

 

Operaversum: Wie bereitest Du Dich auf Deine Rollen vor? Fällt es Dir leicht, in einen anderen Charakter zu schlüpfen?

 

Nikola Hillebrand: Im Prinzip enthält jede meiner Rollen einen gewissen Anteil meiner Persönlichkeit. Mal sind es 80 Prozent, mal nur 20 Prozent Übereinstimmung. Als Mensch habe ich viele charakterliche Facetten, die ich mehr oder weniger deckungsgleich auf den Rollencharakter projizieren kann. Dort, wo es schwierig wird, mich in eine Rolle hineinzuversetzen, überlege ich mir, wo die Person geboren wurde, welcher Nationalität sie angehört, welche anderen Persönlichkeitsmerkmale sie aufweist.

 

Für die Interpretation des Oskar im Maskenball habe ich vorab sogar intensiv geübt, wie ein Junge zu gehen hat, was er denkt und wie er lebt.

 

Die Musetta aus Puccinis Oper "La Bohème" hingegen habe ich mir über den Roman von Henri Murgers charakterlich erarbeitet. Interessant war dabei festzustellen, dass die Kratzbürstigkeit der Frauenfigur in der Oper im Roman deutlich menschlicher dargestellt wurde.

 

Tatsächlich bereite ich mich sehr akribisch auf meine Rollen vor. Je klarer ich die Person verstanden habe, desto natürlicher kann ich sie interpretieren und spielen. Idealerweise muss ich dann auf der Bühne auch nicht mehr viel denken.

 

Operaversum: Wann weißt Du, dass Du eine Rolle für Dich vereinnahmt hast und in ihr komplett aufgegangen bist?

 

Nikola Hillebrand: Das ist ein Entwicklungsprozess, der erst dann Früchte trägt, wenn ich die Rolle auf der Bühne live vor Publikum darbieten kann.

 

Zuerst studiere ich die Partie, dann probe ich mit dem Pianisten, anschließend mit dem Dirigenten und auch dann kann ich immer noch nicht richtig beurteilen, wie sich die Rolle für mich auf der Bühne anfühlen wird. Es ist quasi eine 50/50 Chance.

 

Erst in der Vorstellung geht mir sozusagen ein Licht auf. Sobald ich spüre, dass ich in der Rolle total aufgehe, löst das in mir ein großartiges Gefühl aus.

 

©Franziska Schrödinger

Operaversum: Pflegst Du gewisse Rituale vor Deinen Auftritten, um Dich zu fokussieren?

 

Nikola Hillebrand: Ja, auf jeden Fall habe ich Rituale, wobei ich mich bewusst nicht von ihnen abhängig machen möchte. Es gibt nämlich auch Tage, an denen ich dafür keine Zeit habe. Dann lasse ich es ein bisschen lockerer angehen. Von der Rolle, dem Auftrittsort und den äußeren Umständen hängt natürlich auch sehr viel ab.

 

Ganz wichtig sind aber Snacks für mich. Deshalb würdest Du auf meinem Garderobentisch auch immer einen kleineren oder größeren Berg an "Brainfood" finden, je nachdem, wie anspruchsvoll und langwierig die Rolle am jeweiligen Vorstellungsabend ist. Denn Essen ist essenziell. Man braucht Energie und Kraft, um eine Vorstellung ausdauernd bewältigen zu können.

 

Viel Schlaf ist ein weiterer wichtiger Faktor vor einem Auftritt.

 

Operaversum: Hast Du vor einem Auftritt Lampenfieber?

 

Nikola Hillebrand: Ich versuche mich am Tag der Vorstellung körperlich und mental immer in Bestform zu bringen. Dabei singe ich mich ein, nicht zu viel, weil man ansonsten schnell müde werden kann. Danach versuche ich mich zu fokussieren, konzentriert zu sein und ruhig durchzuatmen.

 

Sollte ich aber dennoch einmal aufgeregt sein, versuche ich mir ganz bewusst positive Gedanken zu machen, mich auf die Freude des musikalischen Abends zu fokussieren und jedwede negativen Gedanken rigoros auszublenden.

 

Operaversum: Welche fachlichen und persönlichen Attribute zeichnen Deinen derzeitigen Erfolg als Opernsängerin aus und was bedeutet Erfolg im Musikbusiness ganz konkret für Dich?

 

Nikola Hillebrand: Erfolg ist meines Erachtens eine Frage der eigenen Definition. Was meinen bisherigen Werdegang sicherlich sehr positiv beeinflusst hat, ist der Faktor Glück. Davon habe ich seit Beginn meiner Gesangslaufbahn gut profitieren können. Darüber hinaus versuche ich einfach immer mein Bestes zu geben, mich auf meine Rollen gut vorzubereiten, allein schon wegen der Verantwortung den Kollegen und dem Publikum gegenüber.

 

Professionalität ist ein weiterer Baustein für den Erfolg im Musikgewerbe...

 

Operaversum: ... so wie Talent, Ausstrahlung, Positivität, Ausdauer und eben auch eine gute Vorbereitung, die Du schließlich alle in Dir vereinst.

 

Nikola Hillebrand: Aber eben auch das Glück, in diesen volatilen Zeiten der Pandemie ein Festengagement an der Semperoper zu haben, spontane Konzerte machen zu können, die in den letzten Monaten einfach so aus dem Boden gestampft wurden.

 

Sicher sind auch viele Termine abgesagt worden und ich war darüber sehr traurig. Doch dann hatte ich wieder das große Glück, beispielsweise an einem Konzertfilm zu Hänsel und Gretel mitwirken zu können. Doch was wäre das Glück gewesen, wenn ich die Rolle vorab nicht gelernt hätte?

 

Zum Erfolg gehört doch einiges dazu. Darauf ausruhen kann man sich sicherlich nicht.


Operaversum: Die Erwartungen an Opernsänger:innen sind enorm groß und werden stetig größer. Parkettsicherheit auf der Bühne, in der Öffentlichkeit, in den multimedialen Landschaften, immer guter Dinge, möglichst eloquent, gesanglich vielseitig, flexibel und permanent auf der Höhe des beruflichen Erfolges bei maximalem Termindruck.

 

Ist das auch für Dich eine große Herausforderung, all diese Erwartungen zu erfüllen?

 

Nikola Hillebrand: Das ist schwierig zu beantworten, denn natürlich steht man als Opernsängerin auch im Fokus der sozialen Medien. Als Teil meines Berufes ist es abermittlerweile für mich selbstverständlich geworden, dort auch vertreten zu sein.

 

Operaversum: Im Prinzip sind die sozialen Medien in der Opernbranche auch noch nicht so weit ausgeschlachtet wie in anderen Bereichen. Toll finde ich aber, dass Du dort vertreten bist und man die Chance hat, Einblicke in Deinen beruflichen Alltag zu bekommen und auch etwas über die Persönlichkeit der Nikola Hillebrand zu erfahren.

 

Nikola Hillebrand: Genauso ist es auch gedacht, denn so kann ich meinem Publikum Einblicke in Bereiche hinter der Bühne gewähren, die sie ansonsten nicht erhalten würden. Das kann zum Beispiel einKostüm oder ein Make-up sein, das ich im Close-up zeige. Oder die verschiedenen Kollegen, wie sie sich hinter den Kulissen geben. Ich kann das wirklich nachvollziehen, dass solche Einblicke in denBeruf eines Künstlers sehr interessant sind.

 

©Guido Werner

Operaversum: Müssen Opernsänger:innen heutzutage nahbar sein? Und wie wichtig sind dabei die sozialen Medien geworden?

 

Nikola Hillebrand: Nein, das müssen sie tatsächlich nicht. Entweder man ist nahbar oder man ist es eben nicht. Das tut dem Künstlerdasein sicherlich auch keinen Abbruch. Es gibt schließlich so vielegrandiose Sänger, die sich auf den Social Media Kanälen nicht zeigen. Und das ist auch in Ordnung. Deshalb müssen sie nicht unnahbar sein, nur weil sie dort nicht präsent sind. 

 

Nikola Hillebrand: Bin ich nahbar?

 

Operaversum: Absolut und das völlig unabhängig vom Grundrauschen der sozialen Medien. Nahbarkeit hat für mich eigentlich mehr mit der Persönlichkeit, dem Charisma und der Authentizität eines Menschen zu tun, ohne das ich gleich etwas Privates über diese Person wissen muss. Für mich strahlst Du das aus.

 

Nikola Hillebrand: Oh, vielen Dank.

 

Operaversum: Die Kunst hat die letzten zwei Jahre extrem unter der Pandemie gelitten. Viele Kulturbetriebe mussten über Monate Vorstellungen absagen. Wie bist Du in dieser schwierigen Phase mit der Situation umgegangen und hast Du eine Nikola Hillebrand in Dir entdeckt, die fernab der Musik auch andere Aspirationen im Leben hat?

 

Nikola Hillebrand: Nein, nichts kann die Musik für mich ersetzen, obgleich ich mich in 20/21 in der Phase des Lockdowns auch mit anderen Dingen beschäftigt habe.

 

Mein einziger Rettungsanker und die Kraftquelle, die mir durch diese trübe Zeit geholfen hat, war, wenn überhaupt, die Natur. Ich bin auch tatsächlich so ein kleiner "Naturbursche", habe viele Spaziergänge und Wanderungen durch ein nahe gelegenes Waldstück unternommen. Gäbe es den professionellen Wanderer als Berufsbild, hätte das eventuell noch eine Alternative für mich sein können. Doch wenn ich ehrlich bin, brauche ich die Musik, die Bühne und das Publikum.

 

Und durch die Pandemie hat sich für mich sogar noch deutlicher herauskristallisiert, wie wichtig und sinnbringend mir mein Beruf als Opernsängerin ist und das es dafür absolut keinen adäquaten Ersatz gibt. Der wahrhafte Moment, Live auf der Opernbühne vor Publikum zu musizieren, bildet für mich den Sinn meines beruflichen Lebens schlechthin.

 

Und nein, ich habe keine anderen Aspirationen im Leben.

 

Operaversum: Liebe Nikola, was kann ich Dir für die Zukunft noch wünschen?

 

Nikola Hillebrand: Weiterhin viele beglückende musikalische Momente!

 

Operaversum: Die wünsche ich Dir von ganzem Herzen und bedanke mich für das sehr informative und tolle Gespräch mit Dir.

 

Das Interview mit Nikola Hillebrand fand am 25. Januar 2022 exklusiv für das Online Opernmagazin Operaversum statt.


©Franziska Schrödinger

Nikola Hillebrand ist eine deutsche Sopranistin, die in der Nähe von München aufwuchs und sich gesanglich ganz besonders durch ihre brillanten Koloraturen auszeichnet.

 

Als Adele glänzte sie 2018 in "Die Fledermaus" an der Seite von Jonas Kaufmann und Rachel Willis-Sørensen und gehört seit 2020 als Solistin zum Ensemble der Semperoper in Dresden.

 

Neben weiteren Glanzpartien in großen Opern wie "Der Rosenkavalier", "La Bohème", "Arabella", "Die Entführung aus dem Serail" und "Der Wildschütz", verzauberte sie kürzlich auch als Pamina in "Die Zauberflöte" ihr Publikum an der Semperoper.

 

Mit stimmlicher Beseeltheit bereichert Nikola Hillebrand auch den Liedgesang.

 

Weitere Informationen zur Künstlervita sowie Opern- und Konzerttermine finden sich auf der Homepage von Nikola Hillebrand:

 

www.nikolahillebrand.com


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