Daniel Hope spielt in Dresdens Frauenkirche für den Frieden

10. März 2022

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

©Stiftung Frauenkirche Dresden / Tibor Bozi

Musik ist das Licht, das uns Hoffnung und Zuversicht gibt. Hoffnung auf bessere Tage, Zuversicht, dass ein Ende des in der Ukraine wütenden Krieges bald schon in Sicht ist.

 

Zusammen mit dem geflüchteten ukrainischen Pianisten Alexey Botvinov, der sich gerade noch mit knapper Not aus seiner Heimatstadt Odessa retten konnte, gibt der weltbekannte Violinist Daniel Hope ein Friedenskonzert in keiner anderen als der Dresdner Frauenkirche.

 

Bereits im 2. Weltkrieg bis auf die Grundmauern zerstört und als wohl größtes Friedenssymbol wieder errichtet, bildet die Frauenkirche den stimmigen Rahmen für den so traurigen und erschütternden Anlass an diesem denkwürdigen Tag.

 

Mit Stücken von Valentin Silvestrov , Sergei Rachmaninoff, Johann Sebastian Bach und einem "verrückten Tango" von Alfred Schnittke gestalten die beiden Musiker tapfer und gefasst das 45-minütige Konzertprogramm.

 

©Stiftung Frauenkirche Dresden / Hope for Peace / Killig

In den Kirchenbänken sitzen Vertreter aus Politik und Kirche, ganz zu vorderst der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und der evangelische Landesbischof Tobias Bilz, der sich in seiner Ansprache für Kraft und Vertrauen und gegen Ohnmacht und Ratlosigkeit ganz vehement ausspricht.

 

Dann beginnt der Friedensgedanke musikalisch Form anzunehmen. Die ersten sanften Töne erklingen am Flügel, sogleich stimmt Daniel Hope an der Geige in das beseelte Spiel seines Musikerkollegen mit ein.

 

Völlig selbstverloren und in der Musik gefangen, erlebt man in diesem sehr zeremoniellen Rahmen zwei Menschen, die mit ihrer Musik zu den Menschen sprechen - und das auf eine tief berührende Art und Weise.

 

Jeder Ton scheint ein Schluchzer, jede sanfte Streichberührung über die vibrierenden Saiten der Geige erzeugen Gänsehautmomente.

 

Es ist, als ob Hope seine Geige weinen lässt. So traurig zittert sie eine von Melancholie getränkte Melodie schöner als die andere.

 

©Stiftung Frauenkirche Dresden / Hope for Peace / Killig

Und auch Alexey Botvinov transportiert leidenschaftliche Gefühle über die Klaviatur in das luftige Kirchenschiff. Sanft gleiten seine Finger über jede Taste, berühren sie kaum merklich, um just im nächsten Moment mit hartem Anschlag kraftvoll auszuholen.

 

Es ist ein Spiel, das mit der Seele verstanden werden muss. Es ist so intensiv, so innerlich und mit einer Intimität behaftet, dass aus ihr das Leid der Menschheit zu sprechen scheint.

 

Musik kann Brücken bauen, Konflikte überwinden und Licht in die Welt tragen, dort, wo es gerade am dunkelsten ist.

 

Kurz hält Daniel Hope inne, um in seiner Ansprache das Schicksal der Ukrainer zu beklagen. Seit sieben Jahren als regelmäßiger konzertierender Gast in der ukrainischen Hauptstadt Odessa zugegen, fehlen dem Geiger fast schon die Worte, um seiner tiefen Betroffenheit über die aktuelle Lage im kriegsgeplagten Land Ausdruck zu verleihen.

 

Stattdessen greift er nach seiner knappen Rede wieder beherzt zu seiner Violine stimmt die ukrainische "Melodie" von Myroslav Skoryk  an und schafft es durch die positive Energie, die sein Geigenspiel verströmt, dass die Welt für ein paar Minuten einfach nur still steht.

 

©Stiftung Frauenkirche Dresden / Hope for Peace / Killig

Schnittkes Tango in a Madhouse aus der Oper "Leben mit einem Idioten" scheint in Anbetracht des situativen Wahnsinns den musikalischen Rahmen passend zu ergänzen, obgleich man sich dabei nicht wirklich in Tanzlaune versetzen kann.

 

Viel zu traurig, viel zu betrübt und hoffnungslos gibt sich das gediegene, unaufdringliche Stück, das man eher als leise Hintergrundmusik hören will, während man trostsuchend in den Armen eines liebenden Menschen schweigend versinkt.

 

Mit den letzten verklingenden Akkorden endet die Vorstellung der großen musikalischen Gesten. Aus den Reihen hört man zustimmenden Applaus.

 

Die Musik der beiden Ausnahmekünstler hat an diesem heutigen Tag die Welt wieder ein bisschen freundlicher, friedfertiger und annehmbarer gestaltet. Musik kann eine Menge. Vor allem aber kann sie Licht ins Dunkel bringen und der Hoffnung immer wieder neue Flügel wachsen lassen.


©Alexey Botvinov / Video über youtube zur Verfügung gestellt

Die "Hope for Peace" Veranstaltung in der Dresdner Frauenkirche kann noch bis einschließlich 06. Juni 2022 auf Arte Concerts abgerufen werden und enthält folgende Musikauswahl:

 

Valentin Silvestrov 

Auszüge aus der Pastorale 2020 and "Melodies of the Moment"

Musical Moment - Lullaby

 

Sergei Rachmaninoff

Elegie für Klavier

Vokalise für Geige und Klavier

Daisies op. 38 Nr. 3 für Geige and Klavier

 

Alfred Schnittke

Tango in a Madhouse

 

Myroslav Skoryk

Melodie

 

Johann Sebastian Bach

Sonate für Geige und Klavier in C Moll BWV 1017


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