Rubrik Lifestyle
©Nicole Hacke / Operaversum
Nur schwer lässt sich die massive Holztür des hochherrschaftlichen Anwesens öffnen, das sich in unmittelbarer Nähe des trubeligen Viertels Monastiraki in Athen befindet. Mit ganzem Körper lehne ich mich einmal und noch ein zweites Mal gegen das pittoreske Portal, das seine eigene Geschichte zu erzählen vermag und, siehe da, mit leicht ächzendem Knarzen bewegt sich die schwere Eingangstür langsam aber sicher nach Innen.
Im Eingangsbereich des beeindruckenden neoklassizistischen Baus, staune ich nicht minder beeindruckt über die ausgetretene hölzerne Wendeltreppe, die sich in organischer Ästhetik wie ein Schneckenhaus besonders steil in die oberen Stockwerke emporwindet.
Von Nicole Hacke
Gott sei Dank gibt es noch einen Aufzug im direkt angrenzenden Gebäudekomplex, der zu meiner großen Überraschung wie ein überdimensioniertes Foyer anmutet und mit einer Deckenhöhe von mindestens 10 Metern beeindruckt. Unter meinen Füßen offenbart sich dort ein Fliesenboden, der ebenso wie die Eingangstür aus einer anderen, längst vergangenen Zeit stammen muss.
Dass sich hier unten bald ein Restaurant befinden wird, erschließt sich mir schnell, denn die großzügige Räumlichkeit eignet sich perfekt für einen eleganten Kulinarik-Tempel, der seinen Hotelgästen schon morgens ein gediegenes Frühstück kredenzt.
Doch wie genau das Innenleben Gestalt annehmen wird, kann mir der Hotelmanager noch nicht genau verraten. Schließlich sind gerade Mal wenige Monate seit der Neueröffnung des altehrwürdigen Hauses vergangen. Und das Restaurant ist noch in Planung.
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
Schnell begreife ich, das "Athens 1890" eines der wenigen historischen Hotels in zentraler Altstadtlage ist, das aufgrund seiner außergewöhnlichen Vita einen ganz besonderen Charme versprüht.
Bereits im ersten Stock, dort, wo sich die Rezeption befindet, treffen ästhetische Wandmalereien auf eine reduzierte, obgleich funktional, aber sehr bequeme Einrichtung. Helle cremefarbene Nuancen und bewusst gedeckte Töne komplementieren die alten Eichenparkettböden harmonisch.
Wer hätte gedacht, dass in diesem Haus eine ehemalige Seidenmanufaktur untergebracht war, genau dort, wo in wenigen Wochen ein Restaurant seine Pforten für verwöhnte Genussmenschen öffnen wird.
Noch einmal schweift mein Blick nach unten in die offene Halle mit dem besonderen Fliesenmosaiken, während vor meinem inneren Auge andere Bilder in mein Bewusstsein dringen:
Seide soweit das Auge reicht, ein Tuch schöner als das andere und inmitten dieser luxuriösen Pracht, Verkäufer, die ihre Ware auf Mahagoni-Tischen vor den elegant gekleideten Damen auslegen.
Noch ein letzter Blick, doch die Assoziation mit der Vergangenheit bleibt eine Konstante, die sich über die einzelnen Stockwerke bis in das Dachgeschoss fortsetzt.
Ganz oben, unter dem Dachgiebel, dort, wo früher die Zimmermädchen ihre kleinen Kammern hatten, vernehme ich geschäftiges Treiben. Bettlaken, Handtücher und alles, was der Reisende in seinem Hotelzimmer so braucht, scheint dort oben in einer kleinen Lucke aufbewahrt zu werden.
Weiter unten, just im 2. Stockwerk, werde ich von einer aristokratischen Aura umhüllt, die ein ganz besonderes Erlebnis erahnen lässt.
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
Dort nämlich befinden sich die Superior-Zimmer, die einen leisen, unaufdringlichen Luxus unter stuckverzierten Decken versprechen. Beim Betreten meines Zimmers halte ich bereits im Türrahmen inne, um das Innenleben in seiner ganzen dimensionalen Pracht vollumfänglich erfassen zu können.
Was hier einst Wohnraum für wohlbetuchte Herrschaften war, dient nun als entspannter Rückzugsort für fußlahme Touristen, die sich nach ausdauernder Stadtbegehung endlich in komfortablen vier Wänden ausruhen wollen.
Und das diese Wände komfortabel sind, dafür sorgen eine gemütliche Sitzecke und ein himmlisch anmutendes Doppelbett, dass wie für süße Träume gemacht zu sein scheint. Direkt neben einem altbauhohen Fenster platziert, schweift mein Blick sofort nach draußen auf eine pastellgelbe Kuppel, die eine orthodoxe Kirche vermuten lässt.
Ein genauerer Blick aus den Fenster offenbart tatsächlich einen riesigen Kirchenkomplex, der sich formgebend und beinahe organisch in das quirlige Bild der Altstadt einfügt. Mitten in die pulsierende Restaurantszene eingebettet, hält der heilige Ort seine schützenden Hände über all das, was abends rund um das Kirchenschiff in ausufernder Feierlaune so passieren mag.
Und morgens erwacht man noch traumverloren vom hellen Geläut seiner sonor klingenden Kirchenglocke, die den Stadtbewohnern und allen kulturverwöhnten Touristen einen neuen Tag ankündigt und einem vielleicht sogar mitteilen will, das bereits das Frühstück direkt um die Ecke auf einen wartet, nämlich in besagter Gastroszene.
Obgleich ein paar Fußschritte zum nahegelegenen Szeneviertel von Nöten sind, empfinde ich die temporäre "Ausweichmöglichkeit" als besonders gelungen.
NKD heißt das Lokal, das den Hotelgästen ein besonderes Frühstück der griechischen Art zubereitet, unter anderem schmackhafte Pfannkuchen mit Honig und Käse garniert sowie ein deftiges Bauernbrot mit Schafskäse, Oliven und Tomaten, Barista-Kaffee, frisch gepresster Orangensaft - und und... überhaupt; dieses Frühstück ist raffiniert und verwöhnt den Gaumen mit lokalen Spezialitäten.
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
©Nicole Hacke / Operaversum
Gut gestärkt, aber spätestens nach einer ausgiebigen Sight-Seeing-Tour durch Athen, seine Gassen, belebten Gastro-Viertel und natürlich einem Besuch der Akropolis und anderen musealen Erkundungen, bleibt den ermüdeten Gliedern am späten Nachmittag nur noch das eine, nämlich in den besonders atmosphärischen Spa-Bereich des Hotels abzutauchen.
Dabei taucht man bei gedämpften Licht tatsächlich ein in eine Oase der Ruhe. Während man bei einer Massage, die man gerne individuell zu seinem Hotelaufenthalt dazubuchen kann, alle Viere von sich streckt, überlegt man noch, ob man wirklich in der wohl aufgeregtesten und kulturell aufregendsten Städte Europas gelandet ist oder ob man in diesem Hotel eine komplett neue Erlebniswelt für sich entdeckt hat.
Das Athens 1890 ist in jedem Fall und insbesondere für Kulturliebhaber eine Reise und einen Aufenthalt in der Stadt, welche die Kultur erfunden hat, mehr als wert.