"The one humanity concert" mit Jonas Kaufmann im UN-Hauptquartier in Genf

13. November 2021

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

©Fundacion Onuart / Violaine Martin

Ein erlesenes Konzertprogramm hat sich der Münchner Tenor Jonas Kaufmann zur Feier des heutigen Tages auf die UNAOC-Flagge der kulturellen Diversität geschrieben.

 

Zum Botschafter der Initiative "United Allicance of Civilisation (UNAOC) ernannt, weiht er mit tenoraler Inbrunst am 8. November 2021 die neuen UNAOC-Büros des UN-Hauptquartiers in Genf ein und präsentiert vor Abgeordneten aus 40 Ländern sein "One Humanity Concert", das unter dem Motto "Viele Kulturen, eine Menschheit" steht.

 

Den musikalischen Rahmen bildet ein Lied-Potpourri bekannter Allzeitklassiker von Schubert, Brahms, Böhm, Chopin und Strauss sowie eine Reihe von ausgewählten Liszt-Liedern, die jüngst vom Tenor auf CD neu eingespielt worden sind.

 

Nach einem volltönenden, emotional ausdrucksstarken Auftakt mit "Vergiftet sind meine Lieder", driftet der Vokaldichter Jonas Kaufmann in irisierend schöne Klangkaskaden ab, die mal erfrischend klar durch den Raum plätschern, dann wieder heroisch aufbrausend, zeitweise verzweifelt tönend das Auditorium peitschend scharf durchdringen.

 

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

Immer im Gepäck mit dabei, dass stimmtechnische Quäntchen Perfektion, das an diesem Abend über eine scheinbar leichte Belegtheit der Stimmbänder gekonnt hinwegzutäuschen vermag.

 

Und das so gekonnt, dass man die zu Beginn wenigen guttural heiser und angestrengt klingenden Fortissimi in den exponierten Höhen sowie die stellenweise leicht teigig zähen Tiefen unmerklich wahrnimmt.

 

Mit elegant vokaler Nuancierung bei "Oh, lieb solang du lieben kannst", werden die hauchzart kristallklaren Pianissimi des lyrischen Sahnestücks zu einem absolut sinnlichen Hörgenuss.

 

Insgesamt erscheint das Gesamtpaket der Liszt-Lieder in konzertanter Darbietung emotional greifbarer und plastisch nachvollziehbarer, sogar gehörgängiger, als es die Studioaufnahme der sperrig und atonal klingenden Liedeinspielungen transportieren kann.

 

Jonas Kaufmann singt sich an diesem Abend vor Publikum so manches Mal innigst die Seele aus dem Leib, deutlich hörbar und für alle Augen wahrnehmbar.

 

So lebt das Kunstlied Liszts vom Zusammenspiel aus gesangsdichterischer Erzählkunst, klaviertuoser Untermalung und einer ausdrucksstarken Vokal- und Bühnenpräsenz, die auf Tonträger in dieser Form nicht reproduzierbar und schon gar nicht erlebbar ist.

 

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

Auf einmal bekommt das Kunstlied ein Gesicht, wird charaktervoll und geht interpretatorisch in absolute Tiefen, dringt quasi bis in den Kern der gehaltvollen Erzählung vor, sodass man wie gebannt an den Lippen des Gesangsinterpreten hängt und dem gesungenen Wort mit ungeteilter Aufmerksamkeit konzentriert lauschen will.

 

Hypnotisierend beinahe auch die Wirkkraft der "Glocken von Marling", die einem wie aus einer fernen, mystischen Klangwelt sanft, aber eindringlich ins Bewusstsein treten.

 

Sphärisch, entrückt, ein wenig abgehoben singt sich Jonas Kaufmann dabei in einen verträumt-verklärten Aggregatzustand, der so vokalintensiv vor sich hin schimmert, wie es nur ein Regenbogen in seinen schönsten farbigen Facetten kann.

 

Jedes Lied wird zum Leben erweckt, erwacht durch die einzigartige Strahlkraft des Tenors und seines kongenialen Liedbegleiters Helmut Deutsch, der auf der Klaviatur wahre Wunder an Klangfarben produziert.

 

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

Und nicht nur das: Deutsch versteht es absolut, mit seiner instrumentalen Interpretation Bilder zu malen, die der gesangsdichterischen Erzählung eine Intensität verleihen, die nicht gesteigerter und dichter verwoben sein könnte.

 

Unzählige Male beweist der virtuose Klaviaturexperte dabei, wie man einer poetisch gestrickten Liedkomposition spannungsgeladene Dynamik und wohl dosierte Klangexplosivität verpasst, die von temperamentvoller Impulsivität durchdrungen, ganz besonders in den "Drei Zigeunern" formschön zum Ausdruck kommt.

 

Temperamentvoll sind sie wirklich, die Lieder des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt. Man könnte sogar meinen, sie wirken erst lebendig durch die musikalisch parametrischen Extreme, mit denen sie dick und fett unterfüttert sind.

 

Musikalische Leichtigkeit hält erst mit dem zweiten Konzertteil Einzug. Dann wird auch Kaufmanns Lust an den leisen Tönen, die von einer gehaucht zarten Klangfülle durchdrungen sind, offensichtlich.

 

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

So fühlt man sich mit Brahms "Wiegenlied" beinahe selbst eingelullt von den samtweichen melodiösen Happen, die der Tenor Jonas Kaufmann seinem Publikum genussvoll verabreicht.

 

Wenn man dem weltbesten Sängerdarsteller zuhört, dann wird man, ob man es will oder nicht, innerlich ganz still und ruhig, so "Still wie die Nacht", von der er mit tiefster Beseeltheit singt.

 

Immer runder, immer ausbalancierter und vokalschöner hallt der baritonal satteste aller Tenorstimmen schnörkellos und ungekünstelt durch das Palais des Nations. Weiter immer weiter spinnt sich der ungewöhnliche Konzertabend vor einem ebenso ungewöhnlichen Publikum ein Netz aus musikalisch feinsilbriger Dichte.

 

Voller melancholischer Verstimmung, ohne überhaupt verstimmt zu klingen, schwelgt Kaufmann in Dvořáks "Die alte Mutter" in sehnsuchtsvollen Kindheitserinnerungen. Mit einer Prise Herzschmerz und dem gewissen Schluchzen in der Stimme färbt ein bisschen nostalgisches Lamento auf den Gemütszustand der Zuhörer ab.

 

©Screenshot Medici TV / Jonas Kaufmann

©Fundacion Onuart / Violaine Martin

Höhepunktreif kommt Richard Strauss "Zuneigung" am Ende der konzertanten Veranstaltung mit geballter Strahlkraft um die Ecke.

 

Nunmehr gänzlich in die strahlend schöne Vielfalt aus Tönen versunken, wird Kaufmanns leidenschaftlicher Schöngesang zum Genussakt des Abends, auf den mit Massenets "Pourquoi me reveiller" noch eine Zugabe folgt.

 

Mit wertschätzendem Applaus, nicht so frenetisch impulsiv wie an einem regulären, ganz normalen Konzertabend vor durchweg begeisterten Kaufmann-Anhängern, verklingt die französische Arie ganz still und leise im Plenumssaal des Genfer UN-Gebäudes.

 

Kulturelle Diversität hat Jonas Kaufmann an diesem ehrwürdigen Tag mit seiner internationalen Liedauswahl ganz sicher groß geschrieben und sie dazu noch vor "einer Menschheit" gesungen, die just bei diesem Konzert im Palais des Nations durch seine 40 Ländervertreter gebührend repräsentiert wurde.


©CD-Cover Gestaltung Gregor Hohenberg / Sony Classical

Auf seiner neuen CD-Einspielung "Freudvoll und leidvoll" widmet sich der Ausnahmetenor Jonas Kaufmann einem Liedrepertoire des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt.

 

Zur detaillierten CD-Rezension geht es hier:

 


©Gregor Hohenberg / Sony Classical

Jonas Kaufmann singt Liszt in freudvollen und leidvollen Zeiten

Mutig ist, wer sich dem Unbekannten stellt, wer über Grenzen hinausgeht, unbequem, unangepasst und experimentell, ja vielleicht sogar visionär wird. Mit seiner neuen CD-Einspielung...

 



©Gregor Hohenberg / Sony Classical

jonas kaufmanns selige stunde

Leise, still und heimlich ist die neue CD von Jonas Kaufmann, die am 04. September im Handel erschienen ist, während des Corona-Lockdowns irgendwo zwischen München und dem bayerischen Oberland entstanden...

 



©Musacchio, Ianniello & Pasqualini / virtuelle Pressekonferenz

dann treffen wir uns einfach virtuell!

Was macht man in Zeiten kultureller Abstinenz, wenn keine Veranstaltungen, Konzerte und eben auch keine Pressekonferenzen auf engstem, sozialem Raum gestattet sind?

 



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