die Elbphilharmonie - Haus mit hanseatischem Understatement!

19. MÄRZ 2021

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

©Michael Zapf - der Große Saal in der Elbphilharmonie

Als meine damals 85-jährige Mutter mir Anfang des Jahres 2017 verkündete, sie würde mit einer Reisegesellschaft einen Tagesausflug nach Hamburg planen, um sich das neue Wahrzeichen der Hansestadt anzuschauen, auf das die Welt mehr als eine Dekade warten musste, war ich so perplex und sprachlos wie sonst nie.


Ich, die ich den Bau des monumentalen Konzerthauses immer mal wieder im Vorbeigehen mitverfolgen konnte, mich bis dato aber nie darum geschert hatte, auch nur einen Fuß auf die Aussichtsplattform des Prestigeobjekts zu setzten, fühlte nun ein Gewitter der Empörung in mir aufsteigen, das mir mit unmissverständlichem Donnergroll signalisierte, noch vor meiner Mutter in der Elphi gewesen sein zu müssen, unbedingt!


Mittlerweile, genau drei Jahre später ist mir dieses einzigartige Konzerthaus alles andere als gleichgültig. Fasziniert schweift mein Blick immer wieder in Richtung des wellenförmigen Dachkonstrukts, das häufig von Touristen auch mit dem Bug eines Schiffes verwechselt wird.


Ganz egal, was man in den modernen Bau mit hanseatischem Unterstatement hineininterpretiert, die Elphi, wie sie liebevoll von den Hamburgern genannt wird, umgibt eine besonders positive Aura, der man sich nur schwer entziehen kann.

 

©Nicole Hacke

Akustische Exzellenz oder viel Gerede um Nichts!

Wenige Monate nach Eröffnung der Elbphilharmonie wollte ich, nachdem ich meinen Besuch auf der Aussichtsplattform sichtlich genossen hatte, nun auch unbedingt einer konzertanten Veranstaltung beiwohnen, nur um überhaupt einmal in den Genuss des Hauses und des großen Saales, der 2100 Menschen fasst, zu kommen.

Es ging mir primär gar nicht mal so sehr um das eigentliche musikalische Ereignis, sondern vielmehr um das Erlebnis der Elphi selbst.


Mich interessierten Architektur und die einzigartige Akustik, weniger aber die Interpreten oder das Orchester. Hauptsache, ich konnte mitreden und berichten, wie sich Musik generell in dem hochgelobten Konzerthaus erlebt und anhört. Doch an Karten war gar nicht erst zu denken.


Komplett ausverkauft, das gesamte Jahr hindurch, schien es unmöglich, kurzfristig weder für die begehrten Veranstaltungen noch für andere Konzerte Tickets zu ergattern.


Doch mit ganz viel Glück knackte mein Mann dann kurz vor meinem Geburtstag im April noch den Jackpot. Zwei Konzertkarten für einen Liederabend mit keinem Geringeren als dem Welttenor Jonas Kaufmann. Was für eine Kombination der Extraklasse. Ich war begeistert und zählte bereits die Tage bis zum bevorstehenden Konzertereignis.


Auf dem Podium hinter dem Interpreten sitzend, erlebte ich dann allerdings eine derbe Enttäuschung, die mit der Frage kollidierte, ob nun Akustik oder Gesang an jenem Abend zu wünschen übrig ließen oder ich einfach nur einen sehr, sehr schlechten Sitzplatz innegehabt hatte.

 

©Michael Zapf - Großer Saal der Elbphilharmonie

Da sich der stimmliche Klang eines Sängers aber immer nach vorne in den Saal hinein entfaltet, scheint ein intensives akustisches Hörerlebnis logischerweise auch nicht hinter der Bühne stattfinden zu können. So erschloss sich mir zumindest das Problem mit dem verhinderten Hörgenuss, von dem ich leider nach den konzertanten Erlebnis nicht viel Konstruktives zu berichten hatte.

Was macht aber nun die einzigartige Akustik der Elbphilarmonie aus?

Als Konzerthaus für unverstärkte Musik erbaut, das auf die Entwicklung des natürlichen Klangs setzt und daher ohne jegliche tontechnischen Raffinessen auskommt, hat die Elbphilharmonie tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal in der tonalen Klangentfaltung, insofern, als dass der Schall eher gedämpft als glänzend hell und tragend wahrgenommen werden kann. Dadurch erfährt man eine pure, unverfälschte Akustik, die unmittelbarer und direkter ist.

 

©Thies Rätzke - Elbphilharmonie Hafenblick

Sicherlich unvergleichbar mit anderen Konzerthäusern dieser Welt, mag diese eigenwillige Akustik in der Elbphilharmonie für den einen oder anderen Besucher ein bisweilen befremdliches Klangerlebnis liefern. Ganz klar ist jedoch, dass die Meinungen in der Öffentlichkeit sowohl beim Geschulten als auch beim Laiengehör deutlich auseinanderdriften.

 

Die einen lieben die Akustik, ja, finden sie sogar ganz phänomenal, während die anderen ganz unverständig den Kopf darüber schütteln. Kaum ein anderes Konzerthaus erhitzt derzeit die Gemüter so sehr und begeistert die Massen gleichermaßen.


Auch mein akustischer erster Eindruck im Großen Saal hat mich anfänglich nicht vom Hocker gerissen, zu ungewohnt und wenig tragend schien mir der Klang. Doch bereits nach meinem zweiten konzertanten Erlebnis musste ich diesen ersten Eindruck revidieren und anerkennen, dass Tonkunst individuell und anders sein darf.

 

Es bleibt also bei meinem ursprünglichen Urteil: die Akustik hat etwas Puristisches, Einfaches, beinahe Minimalistisches. Doch genau diese Reduziertheit, diese Andersartigkeit macht das orchestrale und solistische Klangerlebnis in der Elbphilharmonie zu einem unangefochtenen Hörgenuss, der in einer ganz eigenen, wenn auch speziellen Liga spielt.

 

Wahrzeichen und architektonisches Meisterwerk

Hoch ragt die Elbphilharmonie vor mir auf. Ich stehe staunend vor einem Wunderwerk der Architektur, das nicht mehr aus Hamburg wegzudenken geht und mittlerweile zum absoluten Wahrzeichen der Hansestadt geworden ist.


Vor dem Eingangsbereich besorge ich mir sogleich ein Ticket für die Plaza, das mich nichts kostet und mir für eine gute Stunde Zutritt auf die 360-Grad-Aussichtsplattform erlaubt.


Auf 37 Meter Höhe gelegen bildet die Plaza das Verbindungsstück zwischen dem ehemaligen Kaiserspeicher und dem spektakulären Neubau, der aus einer futuristischen Glasfront die wogenden Wellen des Meeres in ihrer abstraktesten Form darstellt.

 

©Nicole Hacke

Über eine 80 Meter lange Rolltreppe, die in Insider-Kreisen auch „die Tube“ genannt wird, geht es auf die erste Ebene, die unterhalb der Plaza liegt. Am Ende der Rolltreppe blickt man geradewegs durch eine großflächige Panoramafront nach draußen auf die Elbe und den Hafen.

 

Ein wenig schwindelig wird mir, als ich mich unmittelbar vor die Fensterfront stelle, denn die Glasfassade reicht durchgehend bis zum Boden und wirkt auf mich so unsichtbar, dass ich meine, vor einem ungesicherten Abgrund zu stehen. Bloß nicht stolpern und fallen, denke ich nur noch.


Schnell geht es auf die zweite Ebene zur Aussichtsplattform, von wo aus die Aufgänge zu den beiden Foyers des Kleinen und Großen Saales erreicht werden. Dort befindet sich auch das Hotel Westin sowie der Souvenirshop und eine kleine Gastronomie.

 

An der Außenfront, die vom Glasbau überdacht ist, drehe ich meine Runde einmal um den gesamten Außenbereich und erlebe eine 360 Grad Sicht auf den beeindruckenden Hafen, die Innenstadt von Hamburg und die auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe gelegenen Werften.


Im Sommer bietet eine durchgehende Backsteinmauer ausreichend Sitzgelegenheiten, um in der Sonne verweilend das herrliche Panorama auf Hamburgs facettenreiche Stadtlandschaft zu genießen.

 

©Thies Rätzke - vor der Elbphilharmonie

Erlebnis Großer Saal

Der Große Saal erinnert mich tatsächlich ansatzweise an die Architektur des spanischen Künstlers Gaudi. Alles ist irgendwie rund, organisch, schnörkellos und zugleich modern.


Unter der Saaldecke befindet sich ein Reflektor, der sowohl für das Licht als auch für die Verteilung des Klangs zuständig ist. Eine ausgeklügelte Wand und Deckenstruktur, bestehend aus Gipsfaserplatten sorgen zudem für die optimale Streuung des Schalls.


Wie in einem Bienenstock angeordnet, verteilen sich die 2100 Sitzplätze rund um den Saal mittig zur Bühne, sodass von jedem Sitzplatz ein einwandfreies Klangerlebnis ausgeht, zumal kein Zuhörer weiter als 30 Meter vom Dirigenten beziehungsweise von den Interpreten entfernt ist.

 

Gemütlich ist es hier. Fast wie im Kino sinkt man bequem in der plüschigen und sehr breiten Sessellandschaft ein und kann sich dabei ganz entspannt zurücklehnen.

 

Einziger Wermutstropfen: Sitzt man hinter Solointerpreten, insbesondere Sängern, wird man weder ein formvollendetes Klangerlebnis vermelden können noch die interpretierenden Künstler zu Gesicht bekommen. Aber wie heißt es doch so sinnig: ein schöner Rücken kann auch entzücken.

 

Die Elbphilharmonie ist in jedem Fall eine Reise nach Hamburg wert.


Weitere Informationenn zu Konzertveranstaltungen unter:

www.elbphilharmonie.de


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